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Das erste FUBA-NET Camp (5. Juni bis 7. Juni 2008)
Freude und Erschöpfung dank „doppeltem“ Willi
FUBA-NET Camp ein voller Erfolg
für FUBA-NET berichtet RevierSport-Redakteur Matthias Dersch
„Kommt, gebt alles, dann knackt ihr die Bestzeit“, schallte es von Donnerstag bis Sonntag lautstark durch die Hallen des goalfever™ Centers in Essen. Die aufbauenden Worte kamen aus dem Mund von Zweitliga-Rekordspieler Willi Landgraf, seine kämpfenden Adressaten: 30 geistig behinderte Sportskanonen (::: Teilnehmer), die sich mit vollem Einsatz durch den „Willis Revier“-Geschicklichkeitsparcours schlugen.
Im Rahmen des ersten FUBA-NET Camps, der ersten Fußballschule für Menschen mit Behinderung, trainierten die engagierten Kicker unter der Leitung des „doppelten“ Willis - Landgraf (Foto: links) und Willi Breuer (2.v.r), früherer Trainer der deutschen Nationalmannschaft der Menschen mit Behinderung unterstützt von Horst Grembowitz (ehemaliger Jugendcoach bei Schalke 04 und Rot-Weiss Essen, Foto: rechts) sowie Michael Frank (Torwarttrainer der Junioren von Schalke 04, Foto: 2.v.l) - satte drei Tage lang das Fußball-Ein-Mal-Eins und verabschiedeten sich hinterher erschöpft, aber glücklich ins erste Europameisterschafts-Wochenende.
Verständlich, denn geschont wurden die Teilnehmer zwischen 15 und 50 Jahren nicht. „Es ist wichtig, dass man Menschen mit Behinderung genauso ernst nimmt wie jeden anderen auch. Also haben wir die gleichen Übungen, die auch bei den ‚Willis Revier’-Camps auf dem Plan stehen, angeboten“, betont Landgraf die Ernsthaftigkeit der Fußball-Schule, die auch diesmal von Trainern aus der Jugendabteilung des FC Schalke 04 unterstützt wurde. Doch das heißt natürlich nicht, dass der Spaß zu kurz kam, schließlich steht der beim früheren Kicker von Rot-Weiss Essen ganz oben auf der Liste: „Der Ball stand im Vordergrund, langweilige Taktikschulung durfte man bei mir noch nie erwarten.“
Neben temporeichen Fünf-gegen-Fünf-Spielen, Torschuss-Training und Technik-Übungen sorgte vor allem der Parcours für strahlende Gesichter. Unter der Aufsicht von Jörg Mikoleit (Foto rechts), Technik- und Koordinationscoach der Schalker U12- bis U15-Teams, dribbelten sich die Fußball begeisterten Sportler unzählige Male durch den Pylonen-Slalom, um ihre persönlichen Rekorde immer wieder zu unterbieten. „Wie die Profis“, zollte Mikoleit in einer kurzen Verschnaufpause Respekt, bevor er wieder am Rechner gefordert wurde, um neue Zeiten zu messen.
„Der Fußball bietet große Chancen für Menschen mit Behinderung, um sich Bestätigung und Erfolgserlebnisse zu holen“, findet der ausgebildete Sonderpädagoge Breuer eine Erklärung für die besondere Motivation der geistig behinderten Kicker, bevor er ein zufriedenes Fazit übers erste FUBA-NET-Camp zieht: „Das war eine super Sache, von der ich mir wünschen würde, dass sie nicht zum letzten Mal stattgefunden hat.“
Die Weichen dazu sind dank des durchschlagenden Erfolgs gestellt, und so hofft auch FUBA-NET-Projektorganisator Thomas Wein (Foto rechts mit S04-Jugendcoach Michael Frank) auf eine Fortsetzung: „Gemeinsam mit unserem Hauptsponsor RWE und unserem Hauptkooperationspartner DBS möchten wir neue Wege beschreiten und das Camp langfristig auf eine breite Ebene stellen.“ Noch in diesem Jahr soll deshalb ein weiteres FUBA-NET Camp in Essen folgen.
Breuer voll des Lobes für seine Schützlinge
„Von dem guten Sozialverhalten können wir alle etwas lernen“
Sein Kölscher Dialekt ist unverkennbar: In den vergangenen drei Tagen verpasste Willi Breuer (Foto links), Jugendkoordinator beim Zweitligisten Alemania Aachen, mit seiner humorigen und lockeren Art dem FUBA-NET Camp gemeinsam mit dem anderen Willi, Kultkicker Willi Landgraf, die besondere Würze.
„Ich war 21 Jahre Sportlehrer in einer Behinderten-Werkstatt und habe Zeit meines Lebens Fußball gespielt. Als dann Landesmeisterschaften anstanden, habe ich zugeguckt. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, von denen ich überzeugt war, dass man sie verändern könnte. So bin ich quasi in die Arbeit hineingestolpert“, plaudert der 53-Jährige, wie er 1992 zum Coach der Fußballnationalmannschaft der Menschen mit Behinderung wurde.
Mittlerweile hat der frühere Jugendtrainer des 1. FC Köln dieses Amt zwar niedergelegt, mit behinderten Menschen arbeitet er indes noch immer. Und so musste er auch nicht lange überlegen, um den Job als Trainer beim ersten FUBA-NET Camp zu übernehmen. „Gemeinsam mit Willi hat es richtig Spaß gemacht“, bereut er seinen Schritt auch nach dem absolvierten Camp nicht. Im Gegenteil, er fasst schon Pläne für die Zukunft: „Ich würde mir wünschen, dass dieses Konzept weiter Bestand hat und auch auf andere Bundesländer ausgeweitet wird.“
Sport steht für den Sonderpädagogen an erster Stelle, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung besser zu integrieren: „Der Fußball bietet unheimlich gute und vielfältige Möglichkeiten bei der Arbeit mit geistig Behinderten. Viele Dinge, die sonst nur über externe Pädagogen vermittelt werden könnten, können durchs gemeinsame Kicken begreifbar gemacht werden.“
Die 30 Teilnehmer des ersten FUBA-NET Camps lebten dabei vor, was Breuer meint: Es wurde gemeinsam gespielt, gejubelt und gelernt. Von Egoismus war dabei keine Spur. Und so sparte der diplomierte Sportlehrer auch nicht an Lob für seine Schützlinge: „Wir hatten eine sehr heterogene Gruppe, die sehr gut miteinander agiert hat. Von dem absolut guten Sozialverhalten können wir alle etwas lernen. Es war ein Geben und Nehmen, wie es wirklich vorbildlich war.“
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