Aktuelle Meldungen rund um die INAS-FID Fußball-EM 2008

Schacht will "mehr" / Mentalcoach Banse reiste vorzeitig ab
DBS-Team zurück in Deutschland
(Duisburg, 03.08.2008) Die Fußball-Nationalmannschaft des DBS ist am Abend wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Nationaltrainer Dietmar Schacht zeigte sich einmal mehr zufrieden mit dem Trip nach England. "Es waren 14 tolle Tage in Manchester. Die Mannschaft hat sich im Turnier gesteigert und gezeigt, dass man durch kontinuierliche Trainingsarbeit mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen etwas erreichen kann." Auf die Frage was der Coach persönlich und für seine Arbeit aus England für die Zukunft mitnehme, antwortete Schacht: "Wir müssen weiterarbeiten und brauchen einfach mehr Lehrgänge."
Auf die Bitte dies zu konkretisieren, führte er aus: "Es sollte so sein, dass man einmal pro Monat die Auswahlmannschaft zusammenruft. Darüber hinaus wäre ein jeweils einwöchiges Traningslager im Frühjahr und Herbst erforderlich, um gezielt an der Spielkultur zu arbeiten. Im Hinblick auf die WM 2010 muss man zudem mehr interationale Vergleichswettkämpfe veranstalten, um zu sehen wo die anderen Teams stehen. Dieser Job macht Spaß und war in den letzten 14-Tagen ein 24-Stunden-Job. Ich mache nun erst einmal Urlaub mit meiner Familie und dann werde ich über die weiteren Planungen mit den DBS-Verantwortlichen entscheiden. Ihnen vor allem Ralf Kuckuck gebührt großer Dank, dass nach dem Registrierungstheater rund um die WM 2006 nun alles so optimal lief."
Warum Mentalcoach Kurt Banse vorzeitig und überraschend schon am Freitag nach Hause reiste, obwohl er aufgrund seiner beraterischen Kompetenz für die Nachsorge nach dem verpassten fünften Platz hätte dienlich sein können, begründetet Schacht mit der Olympia-Tätigkeit und der in den nächsten Tagen anstehenden Pekingreise des Psychologen: "Kurt Banse hat den persönlichen Entschluss gefasst, bereits am Freitag nach Hause zu reisen, da seine Tätigkeit in Peking unmittelbar bevorsteht. Dies geschah in Absprache mit mir, Ralf Kuckuck vom DBS und Co-Trainer Bernd Fischer. Es standen keine Spiele mehr an und die weitere Betreuung der Spieler war gewährleistet." Kurt Banse bestätigte auf Nachfrage von FUBA-NET die Aussage von Schacht am Abend kurz mit den Worten: "Das kann ich so bestätigen."
tw

Gastgeber England unterliegt im INAS-FID EM-Finale mit 1:3
Holland zum dritten Mal Europameister
(Manchester, 02.08.2008) Aus dem Duell der beiden favorisierten Teams bei der INAS-FID EM der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen geht Holland nach einem 3:1-Sieg über England als neuer Europameister hervor. In einem hart geführten Finale war der Platzverweis für den Engländer Scott Curley am späten Samstagabend der spielentscheidende Moment im Stadion Oldhan Athletic zu Manchester.
Obwohl sich die Gastgeber lange der numerischen Überlegenheit erwehrten und die frühe 1:0-Führung durch Royce Greenidge verteidigen konnten, brachte ein Treffer von Dino Cornet in der 71. Minute die Wende zugunsten der Oranje-Kicker. Drei Minuten später schoss Jan Peters die Niederländer in Führung und machte mit seinem zweiten Treffer kurz vor Schluss den dritten kontinentalen Titel in Folge für Holland perfekt.
"Vor dem Spiel dachte ich, wir haben die Spieler, wir können es schaffen", beschrieb Englands Team-Manager Alan Gillet die eigenen Erwartungen, die jedoch durch den Platzverweis ein jähes Ende fanden: "Aber als es eine Rote und keine Gelbe Karte war, stellte dies alles in Frage. Die Holländer waren das stärkste Team im Turnier und immer für ein Tor gut. Ich wusste, wir müssen ein Tor mehr als sie erzielen. Wenn wir alle elf Spieler auf dem Platz gehabt hätten, wer weiß... so ist eben der Fußball."
Im Spiel um Platz drei schlug Polen, die im Halbfinale äußerst knapp an England mit 2:3 gescheitert waren, Ungarn mit 5:1. Das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) belegte nach einem 3:4 gegen Portugal am Ende Rang sechs und konnte somit an das gute Abschneiden bei der WM 2006 im eigenen Land nicht anknüpfen.

DBS-Team belegt sechsten Platz bei der INAS-FID EM
Portugal dreht Spiel in der zweiten Hälfte
(Manchester, 31.07.2008) Die deutsche Nationalmannschaft der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen hat bei der INAS-FID EM 2008 im englischen Manchester Platz sechs erreicht. Nach einer deutschen 3:1-Führung in der ersten Halbzeit drehte das portugiesische Team das Spiel um Platz fünf in der zweiten Hälfte zu seinen Gunsten und gewann am Ende knapp aber nicht unverdient mit 4:3.
"Es hat nicht sollen sein am heutigen Abend, obwohl wir in der ersten Halbzeit sehr gut aussahen", resümiert Nationaltrainer Dietmar Schacht nach einem kräftezehrenden Match gegen technisch sehr starke Spieler von der iberischen Halbinsel. "Portugal ist fußballerisch sehr gut. Die haben drei, vier Jungs, die wissen, wie man mit der Kugel umgeht. Uns fehlte nach dem harten Spiel gegen Frankreich am Ende einfach die Kraft, um noch einmal mit allem dagegen zu halten", begründet Schacht die Niederlage und zeigt sich dennoch hochzufrieden: "Wir freuen uns über den sechsten Platz, auch wenn Rang fünf unser Ziel war. Die Mannschaft hat über das ganze Turnier sehr viel Disziplin und Moral gezeigt. Sie hat sich auf und neben dem Platz hervorragend präsentiert. Darauf bin ich stolz."
Die viel zitierten deutschen Tugenden zeigte das DBS-Team auch in ihrem letzten Turnierspiel. So kämpfte sich die Elf nach einem 0:1 Rückstand zurück in die Partie und schaffte im Fünf-Minuten-Takt noch vor der Halbzeit eine scheinbar komfortable 3:1-Führung. Nach einem von Kapitän Dino Winterich verwandelten Foulelfmeter, erzielte Kevin Horstmann nach einem Eckball die Führung bevor Andreas Timm in seinem 100. Länderspiel per Kopf das dritte Tor beisteuerte. Mit fortlaufender Spieldauer baute die Mannschaft dann jedoch in Hälfte zwei ab und konnte der spielstarken portugiesischen Mannschaft nicht mehr viel entgegensetzen.
Zu allem Überfluß verdrehte sich Rekordspieler Timm zehn Minuten vor Schluss so sehr das Knie, dass er nicht mehr weiterspielen konnte, obwohl Trainer Schacht bereits dreimal ausgewechselt hatte. "Das war natürlich ein Wechselbad der Gefühle für Andreas. Erst macht er in seinem 100. Spiel ein Tor und muss dann verletzt vom Platz, als wir alles nur noch nach vorne werfen wollten. Bitter, aber so ist der Fußball", erläutert Schacht das durch den tiefen Rasen bedingte Verletzungspech des Esseners.
Sein erstes internationales Turnier als Nationaltrainer des DBS bewertet Schacht durchweg positiv und als "tolle Zeit". Angesichts der schweren Vorrundengruppe und der zum Teil bescheidenen Rahmenbedingungen habe sein Team das erreicht, was möglich war. "Es ist eine Mannschaft, auf der man aufbauen kann und mit der es Spaß macht, zu arbeiten. In den nächsten beiden Jahren muss es darum gehen, zu sichten, einzelne Positionen zu verstärken und die Einheit der Mannschaft auch spielerisch auszubauen. Das heißt Lehrgänge, Lehrgänge und nochmals Lehrgänge, damit wir 2010 in Südafrika eine gute Rolle spielen können."
tw
DBS-Rekordnationalspieler schafft die magische Grenze
100. Länderspieleinsatz für Andreas Timm
(Manchester, 31.07.2008) 1994 war sein erster Einsatz. 14 Jahre später steht der Essener Andreas Timm am heutigen Abend im Spiel gegen Portugal vor seinem 100. Länderspieleinsatz für Deutschland. Vor dem Jubiläum überreichte ihm Trainer Dietmar Schacht daher als erstes Präsent ein Trikot mit allen Unterschriften der DBS-Delegation in England.
Der Spieler der Heimstatt Engelbert ist der erste deutsche Fußballer mit Behinderung, dem eine Rekordmarke in dieser Höhe gelingt. Der Deutsche Behindertensportverband und die Fußballnationalmannschaft der Menschen mit Behinderung verdanken dem hohen persönlichen Einsatz des Jubilars viele Erfolge und vordere Platzierungen bei internationalen Meisterschaften.

Flutlichtausfall, Spielabbruch und großes französisches Fair-Play
Frankreich unterliegt 3:5 n.V. und verzichtet auf Einspruch
(Manchester, 29.07.2008) Ein an Spannung und Kuriosität kaum zu überbietendes Spiel der Deutschen DBS-Auswahl gegen Frankreich endete am späten Dienstagabend mit dem Einzug der Schachttruppe ins Spiel um Platz 5. 5:3 für die deutsche Elf lautete der Spielstand, als das Match in der 113. Minute der Verlängerung wegen eines kompletten Flutlichtausfalls im Stadion Springhill abgebrochen worden war.
Nach endlosen Minuten des Wartens in der Kabine, kam dann die Nachricht, dass die französische Delegation auf einen Einspruch verzichtet und eine Neuansetzung des Spiels nicht erforderlich wird. "Das ist ganz großes Fair-Play der französischen Kollegen, denen wir allerhöchsten Respekt zollen", konstatierte ein erleichterter Dietmar Schacht unmittelbar nach der offiziellen Bekanntgabe des Endergebnisses.
Zuvor erlebte der deutsche Linienchef eine emotionale Achterbahnfahrt, denn das Spiel hatte alles, was einen großen Fußballabend ausmacht. "Das war einfach ein geiles Spiel. Meine Jungs haben alles gegeben und sind am Ende belohnt worden. Das freut mich unglaublich für die Mannschaft", schildert Schacht in ersten Worten den dramatischen Spielverlauf, der das Spiel um Platz fünf am Donnerstag gegen Portugal lange Zeit unwahrscheinlich machte.
Dabei schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Die deutsche Mannschaft kontrollierte das Spiel und konnte nach dem 1:0 durch Rodel Schmitz in der 10. Minute bereits fünf Minuten später durch Dominik Kornmann auf zwei Treffer erhöhen. Aber das französische Team steckte nicht auf und glich nach einem Anschlusstreffer in der 40. Minute kurz vor der Halbzeit mit einem Foulelfmeter aus. Als die DBS-Kicker nur fünf Minuten nach der Pause erstmals in Rückstand gerieten, begann das große Zittern.
Erst in der 88. Minute schaffte der eingewechselte Essener Andreas Timm (Foto) nach einem eingeübten Eckball den umjubelten Ausgleich-Treffer, der die Verlängerung ermöglichte. In der Verlängerung machte der konditionelle Vorsprung der deutschen Mannschaft den Unterschied aus und sorgte letztlich für eine Vorentscheidung. Rodel Schmitz schoss sein Team in der 95. Minute zunächst mit einem sehenswerten 20-Meter-Schuss in Front, ehe Kevin Horstmann in der 105. Minute eine gekonnte Vorarbeit von Andreas Timm nutzte. Mit einem brachialen Pfostentreffer wollte der Spieler der Heimstatt Engelbert die Entscheidung erzwingen ehe in der 113. Minute das Licht ausfiel.
"Die Franzosen waren in der Verlängerung stehend k.o. Hier hat sich gezeigt, dass wir gut trainiert haben und meine Mannschaft physisch auf einem hervorragenden Stand ist", wusste Schacht die Vorteile in der Verlängerung zu erklären. Offensichtlich teilte die französische Mannschaft diese Ansicht, indem sie einen möglichen Einspruch gegen den Spielabbruch und das Ergebnis nicht in Erwägung zog, sondern als faire Verlierer das 3:5 als Endergebnis anerkannten. Frankreich setzt mit dieser Umsetzung des Fair-Play-Gedankens eine bemerkenswerte Fußnote am Ende eines großartigen Fußballabends, der somit eigentlich nur Sieger kennt.
tw

Gruppenphase endet mit 4:1 über Schweden
Horstmann triftt dreimal bei Schachts erstem Länderspielsieg
(Manchester, 27.07.2008) Am späten Sonntagnachmittag konnte endlich der erste deutsche Erfolg bei der INAS-FID EM 2008 in England gefeiert werden. Nach einem souveränen 4:1-Sieg über Schweden belegt die DBS-Nationalmannschaft Rang drei in Gruppe B und trifft in den Platzierungsspielen um die Plätze 5 bis 8 nun nun am Dienstag auf den Viertplatzierten aus Gruppe A Frankreich.
Nach einem frühen Rückstand verlor die auf einigen Positionen umgestellte Mannschaft nicht den Rhythmus und konnte schon im direkten Gegenzug durch Stürmer Kevin Horstmann ausgleichen. Ohne die WM-Teilnehmer Tufan Civilek und Waldemar Monsch, die beide wegen Gelb- bzw. Gelb-Rot-Sperren zusehen mussten sowie Oldie Andreas Timm, der erst in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde, strahlte die Mannschaft große Ruhe und Konzentration auf dem Feld aus. Folgerichtig kam das Team zu vier hochkarätigen Möglichkeiten ehe Kapitän Dino Winterich per Foulelfmeter die erste Führung erzielte.
"Ich hab' meiner Mannschaften gesagt, dass man nur mit Kampfkraft und Moral keine Spiele gewinnt. Ruhe im Spielaufbau und Konzentration im Abschluss war heute gefragt und die Jungs haben das optimal umgesetzt", fasste ein spürbar zufriedener Dietmar Schacht das Spiel zusammen, denn in der zweiten Hälfte blieb die DBS-Elf den Vorgaben treu und machte mit zwei weiteren Treffern durch Kevin Horstmann den Sack zu. Bester Spieler vor immerhin knapp 100 Zuschauern war Rodel Schmitz (Foto), der im zentralen Mittelfeld eine tadellose Leistung zeigte. "Natürlich sind nun alle froh, endich einmal gewonnen zu haben - das haben sich die Jungs auch verdient", schilderte Schacht die Stimmung innerhalb der Mannschaft, die ihn nach seinem ersten Länderspielsieg mit einer Wasserdusche belohnte.
"Ich habe alle Spieler im Kader, auch Torhüter Michael Schröder, nun einmal eingesetzt. Das war vorher so abgesprochen und hatte nichts mit den Ausfällen zu zun. Natürlich fällt es schwer einen Waldemar Monsch in der Innenverteidigung zu ersetzen, aber heute war es nicht schwer, dies zu kompensieren", konstatierte Schacht, der nun äußerst zuversichtlich dem Spiel gegen Frankreich am Dienstag entgegen blickt. Im letzten Aufeinandertreffen gelang den deutschen Kickern ein ::: 9:0-Kantersieg gegen die Équipe Tricolore im WM-Viertelfinale 2006 im Bottroper Jahnstadion.
In den letzten Begegungen der Gruppe A gewann England im Spitzenspiel gegen Ungarn 3:1, während Portugal Frankreich mit 4:1 schlug. Polen unterlag in Gruppe B Tabellenführer Holland mit 1:4 (::: Ergebnisse und Tabellen).
tw
Viele "Unstimmigkeiten" prägen INAS-FID EM in England
Schacht will Rang fünf und sieht "Holland-Kritik" gelassen
(Manchester, 26.07.2008) Die Vorrunde der EM der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen ist so gut wie beendet. Die Favoriten haben in beiden Gruppen die ersten Plätze unter sich ausgemacht. England und Ungarn sowie Holland und Polen stehen vor den letzten Gruppenbegegnungen bereits sicher im Halbfinale. Das deutsche Team um Nationaltrainer Dietmar Schacht spielt nach einer deftigen 0:7-Niederlage am Donnerstagabend gegen Polen nun um die Plätze fünf bis acht.
Die Erwartungen wurden somit erfüllt und die erhofften Überraschungen blieben aus DBS-Sicht leider aus. Eine Niederlage gegen die bislang sportlich schwächste Turniermannschaft aus Schweden im letzten Gruppenspiel wäre eine solche Überraschung, die es laut Schacht aber nicht geben wird: „Wir wollen mit aller Macht Platz fünf erreichen. Das wäre eine beachtliche Leistung meiner jungen Mannschaft.“
Die Enttäuschung ist rund um das DBS-Team allerdings deutlich spürbar, denn die Euphorie der WM 2006 im eigenen Land konnte auf keiner Ebene mit auf die britische Insel getragen werden. Im sportpolitischen Abseits fristen nicht nur die Wettkämpfe ein Schattendasein im öffentlichen Interesse. „Die Resonanz in England schockiert mich schon etwas“, meint DBS-Referent Ralf Kuckuck, „aber auch hinsichtlich der Organisation wie der Verpflegung gibt es Mängel, die bei acht Mannschaften an einem einzigen Austragungsort mit dem englischen Verband im Rücken überraschen.“
Tatsächlich gilt das englische Modell weltweit als Vorreiter für die fußballerischen Belange von Menschen mit einer Behinderung. Liga-Spielbetriebe und Auswahlmannschaften aller Behinderungsformen sind in den nationalen Fußballverband FA integriert. Eine professionelle Durchführung und Kommunikation sollte man hier dann doch erwarten dürfen. Stattdessen treten leere Ränge, eine mangelhafte Berichterstattung und eine sicherlich leidige Schiedsrichterdiskussion forciert durch den deutschen Coach in den Vordergrund.
„Es fehlen vor allem internationale und professionelle Unparteiische“, beschwert sich der ehemalige MSV-Profi und macht die ungenügende Schiri-Leistung auch für das eher durchschnittliche Abschneiden seines Teams verantwortlich. Hinzu kommen schwerwiegende Differenzen mit der holländischen Delegation, denn Teammanager Fred Hermans kritisierte Schachts Verhalten am Spielfeldrand heftig und sprach ihm die Kompetenz im Umgang mit der nicht gerade pflegeleichten Fußballer-Klientel ab.
Der deutsche Nationaltrainer bleibt hiervon unbeeindruckt: „Außer den holländischen Spielern wollte mir keiner die Hand reichen und ein Freundschaftsspiel kommt für mich nach diesen Vorkommnissen ohnehin nicht mehr in Frage“, reagierte er auf die holländische Schelte, die ein ohnehin nie ganz einfaches Verhältnis zwischen beiden Teams neu belastet.
Ex-Coach Willi Breuer reagierte nahezu amüsiert auf die Entwicklung in England: „Das sind doch zwischenmenschliche Nebensächlichkeiten, die man offensichtlich nicht professionell in den Griff bekommt. Fest steht doch, dass die Holländer sportlich immer besser waren als wir. Dass Bondscoach Rene Bouma und seine Spieler dann ein gewisses, ich sag mal, von Stolz geprägtes Auftreten zeigen, ist doch normal und jeder im Sport kann das nachvollziehen. Was man sich hiervon persönlich annimmt, bleibt in der Verantwortung des Einzelnen. Die Spieler haben natürlich Probleme so etwas zu differenzieren, aber das Umfeld sollte damit gelassen umgehen“, meint der heutige Jugendkoordinator von Alemannia Aachen und unterstreicht: „Viel wichtiger sind doch die Zukunftsfragen: Wie verbessert man die Strukturen und hilft so dem aktuellen Trainerstab auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika, denn die Ergebnisse in England sind nicht zufriedenstellend. Bis auf ein deutlich erhöhtes Kontingent an Lehrgängen hat sich für den Kollegen Schacht doch nicht viel getan.“
tw

Nach 0:7 ist Platz fünf nun das Ziel des DBS-Teams
Polen eine Nummer zu groß
(Manchester, 24.07.2008) Der Traum vom Halbfinale ist ausgeträumt für die DBS-Nationalmannschaft. Gegen einen übermächtigen Gegner aus Polen kassierte die Schacht-Elf sieben Gegentreffer und setzt nun alles daran, Rang 5 am Ende der Platzierungsrunde um die Plätze fünf bis acht zu erreichen. Gegner werden Frankreich, Portugal und die Schweden sein, die ihrerseits gegen Holland am Abend mit 0:21 verloren.
"Die Mannschaft aus Polen hat verdient gewonnen und ist einfach durch die Bank stärker als meine Truppe", lässt Schacht im direkten Anschluss an das Match keinen Zweifel an der Überlegenheit des Gegners. Vor mehr als mageren 28 Zuschauern im Stadion von Stalybridge Celtic fand die deutsche Mannschaft kein Mittel gegen das Team aus dem Nachbarland. Unzufrieden zeigte sich Schacht erneut über die Schiedsrichterleistung: "Zwei unberechtigte Foulelfmeter und zwei Abseitstore in einem Spiel sind einfach zuviel. Mein Team hat alles gegeben und es hat heute einfach nicht gereicht.“
Gerade die kämpferische Leistung, die wie nach dem Hollandspiel von Schacht gelobt wird, lässt für die Zukunft hoffen: "Meine junge Truppe hat sich nichts vorzuwerfen, denn wir stehen doch gerade am Anfang einer guten Entwicklung. Meine 17 Spieler, die nun im Bus sitzen und den Tränen nahe sind, werden ihren Weg gehen. Hier in England wollen wir nun mit aller Macht Fünfter werden. Damit hätten wir schon Beachtliches erreicht."
Angesprochen auf die Kritik des holländischen Teammanagers Fred Hermans an seiner Person reagierte Schacht gelassen: "Das lässt mich kalt, denn ich bin nicht der einzige in unserem Stab, der die Stimmung so wahrgenommen hat. Außer den holländischen Spielern wollte mir keiner die Hand reichen und ein Freundschaftsspiel kommt für mich nach diesen Vorkommnissen ohnehin nicht mehr in Frage." Im letzten Gruppenspiel trifft Deutschland Sonntag auf Schweden und muss hierbei auf Abwehspieler Waldemar Monsch verzichten, der die gelb-rote Karte sah.
tw
Gruppe A: England und Ungarn im Halbfinale
"Three Lions" verkraften frühen Rückstand
(Manchester, 24.07.2008) Seit gestern abend stehen die beiden ersten Halbfinalisten aus Gruppe A fest. Nachdem Ungarn souverän der französischen Mannschaft mit 2:0 das Nachsehen gab, feierte Gastgeber England mit einem 5:1 über Portugal erneut einen hohen Sieg. Nachdem die Portugiesen früh in Führung gegangen waren, besannen sich die "Three Lions" auf Ihre Stärken und konnten das Spiel bereits in der ersten Halbzeit drehen.
Beide Teams stehen so mit jeweils sechs Punkten bereits vor den beiden letzten Vorrunden-Begegnungen als Halbfinalisten fest. Im direkten Vergleich wird am Samstag die Frage beantwortet, wer als Gruppensieger die Vorrunde in Gruppe A beendet und somit potentieller Gegner des deutschen Teams, sollte dieses den erhofften zweiten Platz in Gruppe B erreichen, wird.
NL-Teammanager Fred Hermans übt nach Holland-Spiel harsche Kritik an Schacht
„Ruhe bewahren und Vorbild sein“
(Manchester, 23.08.2008) Die DBS-Nationalmannschaft hat ihr erstes Spiel bei der INAS-FID EM 2008 gegen Top-Favorit Holland wie berichtet fast erwartungsgemäß mit 1:4 verloren. Wenngleich die deutschen Kicker eine sehr gute kämpferische Leistung boten, beschwerte sich Nationaltrainer Dietmar Schacht über Provokationen des Gegners und sehr viel Hektik, die von der holländischen Trainerbank ins Spiel gebracht worden sei. Zudem bezeichnete er die Schiedsrichterleistung als „katastrophal“. FUBA-NET erkundigte sich beim holländischen Teammanager Fred Hermans über seine Sicht der Dinge sowie die Reglement-Änderungen des Veranstalters.
Fred Hermans, wie ist die Stimmung in Ihrem Team nach dem deutlichen 4:1 Erfolg über Deutschland?
Alle sind gut gelaunt und natürlich sind wir froh, dass wir mit einem Sieg gestartet sind. Bei uns stimmt es im Team.
Dietmar Schacht beschwerte sich nach dem Spiel über die hitzige Atmosphäre, die von außen geschürt wurde und beklagte eine katastrophale Schiedsrichterleistung?
Ich glaube, dass dieser Coach da einiges verwechselt. Er ist vielleicht ein guter Fußballtrainer aber aus unserer Sicht ohne Kompetenzen für diese Klientel. Es kann nicht sein, dass er als Verantwortlicher für seine Mannschaft ununterbrochen Entscheidungen der Unparteiischen kommentiert, herumbrüllt und somit alle Spieler auf dem Platz irritiert. Man muss doch Ruhe bewahren und Vorbild sein. Die Schiedsrichter haben einen guten Job gemacht.
Schacht schildert die Geschehnisse genau anders herum?
Das ist doch klar. Es gibt immer zwei Perspektiven. Ich sage Ihnen, wie es war. Dass er nach dem Spiel sogar den Handschlag verweigerte, zeigt seine Arroganz und Unsportlichkeit. So etwas macht man nicht, vor allem nicht, wenn man einmal Profi war. Wir werden gegen Deutschland kein Freundschaftsspiel mehr bestreiten, solange dieser Trainer im Amt ist.
Ein anderes Thema: Der Weltverband INAS-FID wendet bei dieser EM Regeln der FIFA hinsichtlich der Nationalitätenfrage an. Betraf das auch ihr Team?
Wir mussten kurzfristig auf zwei Spieler verzichten. Ich halte die Regelung für absolut falsch. Wenn ein Spieler mindestens zehn Jahre in einem Land lebt, ist er laut INAS-FID Reglement für dieses Land startberechtigt. Da der englische Verband FA die EM organisiert, macht er die FIFA-Regeln zur Bedingung. Das ist ein Witz und im Einzelfall sehr bitter. Wir mussten einem Spieler aus Angola, der als Flüchtling vor elf Jahren ohne seine verstorbenen Eltern nach Holland kam, sagen ‚Du bist nicht dabei, weil Du keinen holländischen Pass hast’. Versetzen Sie sich in diesen Menschen. Es ist wirklich sehr traurig, was hier passiert ist.
Laut unseren Informationen gab es im Eröffnungsspiel nur 250 Zuschauer und in ihrem Spiel gerade einmal 15 Tribünengäste. Woran liegt das?
Ich habe keine Ahnung, wo doch der Verband FA hinter dem Behindertenfußball in England steht. In Deutschland waren tausende Menschen in den Stadien und hier passiert gar nichts. Wir spielten vor den Augen der anderen Teams und zwei Holländern, die in Manchester wohnen. Was soll man dazu sagen?
Und wer wird am 2. August der neue Europameister?
Ich fürchte es wird Holland sein (lacht). Ich hoffe auf ein Endspiel gegen England, denn wir haben ein sehr gutes Team. Die Deutschen haben auch eine gute Mannschaft – das haben sie gegen uns gezeigt, aber eben doch den falschen Trainer.
tw
Polen mit Kantersieg / Ungarn schlägt Portugal
Favoritensiege in beiden Gruppen
(Manchester, 21.07.2008) Alle Mannschaften sind ins EM-Turnier gestartet und Überraschungen blieben bislang aus. Während England bereits am Sonntag beim 10:0 über Frankreich in Gruppe A seine Stärke demonstrierte, wurde auch Ungarn beim 2:0 über Portugal seiner Favoritenrolle gerecht. Nach der deutschen 1:4-Auftaktniederlage gegen die Niederlande am gestrigen Nachmittag, komplettierte das Spiel Polen gegen Schweden die Gruppe B am späten Montagabend. Hierbei unterstrichen die Osteuropäer ihre Stärken beim 8:0-Kantersieg über den Underdog aus Skandinavien. (::: Alle Ergebnisse und Tabellen)

EM-Fehlstart: Deutsches Team verliert WM-Revanche mit 1:4
"Ergebnis gegen Holland fällt zu hoch aus"
(Manchester, 21.07.2008) Die DBS-Nationalmannschaft ist am heutigen Nachmittag mit einer nicht ganz unerwarteten Niederlage in die INAS-FID EM 2008 gestartet. Gegen den Titelaspiranten Holland verlor die Schacht-Truppe zum Turnierstart mit 1:4. Dennoch zeigte das Team eine ihre besten Leistungen der zurückliegenden zwei Jahre, denn gerade die Einsatzbereitschaft und der Wille haben laut Nationaltrainer Dietmar Schacht mehr als gestimmt: "Ich bin wirklich stolz auf die Mannschaft, denn allen war klar, dass dieser Gegner kaum zu schlagen ist. Das Ergebnis fällt in jedem Fall mit zwei Toren zu hoch aus", meinte Schacht direkt nach dem Schlusspfiff am Spielfeldrand des Curzon Ashton Grounds in Manchester.
Angesichts der Tatsache, dass die deutschen Kicker das Ergebnis der ersten Hälfte bis zum Spielende halten konnten, spricht für die Disziplin in der DBS-Elf. "Die Jungs haben eine tolle Moral gezeigt, geackert, gefightet und richtig guten Fußball gespielt. Insgesamt haben wir uns selbst geschlagen, denn jedem Gegentreffer gingen dumme und vermeidbare Fehler voraus", analysierte Schacht die Torfolge in der ersten Hälfte. Noch nicht richtig wach war die Mannschaft als man bereits in der ersten Minute in Rückstand geriet. "Die Spieler waren noch gar nicht wirklich auf dem Platz, da erwischte es uns - sehr bitter", blickte Schacht zurück. Beim 0:2 in der 10. Minute war wiederum ein Abwehrfehler entscheidend, als die deutsche Hintermannschaft uneins reagierte und der Ball unglücklich vor die Füße eines holländischen Stürmers geriet.
Zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt gelang dann Abwehrspieler Waldemar Monsch der nicht unverdiente Ausgleich, als er nach einer Ecke zum 1:2 abstauben konnte. Statt dieses Ergebnis mit in die Kabine zu nehmen, war in der 44. Minute erneut Nachlässigkeit der Grund für das dritte Oranje-Tor, indem der Ballbesitz im eigenen Strafraum leichfertig abgegeben wurde. Zu allem Überfluss deutete der Schiedsrichter dann quasi mit dem Pausenpfiff auf den Elfmeterpunkt. "Ein völlig unberechtigter Handelfmeter, der aber absolut ins Bild des Spiels passte", beschwerte sich Schacht und wies so auf eine seiner Meinung nach "katastrophale Schiedsrichterleistung" hin.
Neun gelbe Karten, davon allein sieben gegen deutsche Spieler, zückte der Unparteiische während des Spiels. Als Höhepunkt sah Kapitän Dino Winterich (Foto) nach einem laut Schacht "normalen Zweikampf" in der zweiten Halbzeit gelb-rot und fehlt der Mannschaft so im wichtigen nächsten Match gegen Polen. "Der Schiedsrichter hat sich von der Stimmung beeinflussen lassen. Die holländischen Spieler haben das ganze Spiel über provoziert und den geringsten Körperkontakt schreiend auf dem Rasen beantwortet. Die niederländische Bank hat zudem ständig Hektik von der Bank auf den Platz gebracht. Das war grauenhaft und nicht akzeptabel", schildert Schacht aufgeregt die Stimmung im Spiel.
Nicht unbeeinflusst von der schweren Verletzung, die Stammspieler Timo Mummert mit einem Schienbeinbruch in einem Vorbereitungsspiel gegen die Niederlande im Juni davon trug, ist Schacht froh, das EM-Kapitel Holland nun schließen zu können. "Den schwersten Gegner haben wir hinter uns - nun fängt die EM für uns erst richtig an", blickt der Ex-Schalker nach vorne. Allerdings könnte es im Finale ein Wiedersehen mit den Nachbarn aus Holland geben, wovon jedoch realistischerweise kaum ausgegangen wird. "Die nächsten beiden Spiele sind wichtig und müssen gewonnen werden", gibt Schacht die kurzfristigen Ziele vor, wohl wissend, dass ein Einzug ins Halbfinale mehr als eine Sensation seiner jungen und engagierten Truppe wäre.
tw
England startet souverän
EM-Gastgeber schlägt Frankreich 10:0
(Manchester, 20.07.2008) Mit absoluter Dominanz startete am heutigen Nachmittag Gastgeber England in die INAS-FID EM 2008. Das in allen Belangen unterlegene Team aus Frankreich wurde im Eröffnungsspiel mit 10:0 Toren vom Platz gefegt. Das britische Team um Coach Alan Gillett machte somit direkt zum Auftakt deutlich, dass der Weg zur EM-Krone der Fußballer mit einer intellektuellen Beeiträchtigung nur über die Kicker aus dem Fußball-Mutterland führt.
Für die "Three Lions" trafen der äußerst agile Lele Bajada (s. Foto r.) und Spielmacher Ronnie Watson jeweils dreimal. Die weiteren Treffer steuerten George Chukwuma (2) und Abwehrspieler Frank Curley bei einem Eigentor des bedauernswerten und zur Pause ausgewechselten Torhüters Thierry Legrall bei.
Statistik:
England: Wes Jackman, Danny Cole, Junior Bilal, Frank Curley, Grant Smith, Scott Curley, Ronnie Watson, Danny Williams (Craig Barrett, 66), George Chukwuma, Lele Bajada, Royce Greenidge (Dean Earle, 46)
France: Thierry Legrall (Albert Marei, 46), Ancouba Hadhurina, Christopher Derre, Emmanuel Veret (Christopher Vidal, 82), Karim Taoussart, Yannick Cabannes, Maikel Raphael, Jonathan Bouzeboudja, Johnny Fouache, Kevin Frainckart (Jerome Jolle), Walid Sagnes
Ergebnis:10:0
Torschützen: Bajada (3), Watson (3), Chukwuma (2), Curley, Legrall (ET)

EL Hamadi nicht im Kader – Favorit Holland ohne vier
EM-Veranstalter wendet FIFA-Reglement an
(Essen / Duisburg, 19.07.2008) „16 Spieler sind am Freitag nach England gereist. Alle haben gültige Registrierungsnummern des Weltverbandes INAS-FID“, verkündete am Samstagnachmittag kurz und knapp ein hörbar erleichterter Ralf Kuckuck vom Deutschen Behindertensportverband (DBS). Das sensible Thema der Registrierungen hatte den Stab des DBS in den letzten Wochen auf Trab gehalten. Fehler wie 2006, die zur Disqualifikation der deutschen Mannschaft führten, mussten in jedem Fall vermieden werden. Die Art der Testverfahren und die zeitlichen Fristen wurden nun peinlichst genau beachtet.
Alles scheint somit im Lot zu sein, bevor die deutsche Elf am Montag gegen Holland ins Turnier einsteigt. Fast alles: Mittelfeldspieler Wissam El Hamadi bestieg am Freitag nicht den Bus nach England, weil er als Migranten-Sohn libanesischer Eltern nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und damit nach FIFA-Reglement nicht für Deutschland auflaufen darf. Eine neue Posse scheint sich in diesem Zusammenhang abzuzeichnen, denn bislang sah das Reglement des Weltverbandes INAS-FID für solche Fälle Ausnahmen vor.
Auf Nachfrage von RevierSport zeigte man sich beim DBS überrascht von der Entwicklung: „Dass das neue EM-Reglement des Veranstalters in diesem Punkt FIFA-Statuten über die des eigenen Weltverbandes INAS-FID stellt, sorgt im Hintergrund für gehörigen Wirbel“, erklärt Kuckuck und betont, „uns trifft es nicht so hart wie den Top-Favoriten aus Holland. Coach Rene Bouma muss sogar auf vier Leistungsträger mit Migrationshintergrund verzichten, die vor zwei Jahren noch mitverantwortlich für den Finaleinzug bei der WM waren.“
Warum nun Sozialisations-Faktoren wie der Geburtsort oder die Aufenthalts- und Ausbildungsdauer in einem Gastland im Falle von El Hamadi keine Rolle mehr spielen, bleiben vorläufig offen. Auch Ex-Bundestrainer Willi Breuer und der Ex-Teammanager Wolfgang Warnke, die gestren beim Tunrier der Heimstatt Engelbert weilten, hatten hierauf keine Antwort. „Dass es mitunter enorme Visa-Probleme mit unseren ausländischen Spielern bei der Einreise in der Ostblock oder auch nach England gibt, hätte man noch erwarten können, aber grundsätzliche Nationalitätsfrage ist neu und überraschend“, stellte Warnke fest, während Breuer ergänzte: „Das ist natürlich für Wissam enorm bitter, da er sich in den letzten Jahren so gut entwickelt hat. Aber was soll ich sagen: Man weiß nie, was einen in Verbandsstrukturen erwartet.“
In jedem Fall kommt die neue Regelung EM-Gastgeber England entgegen, das keine „Integrationsfälle“ im Aufgebot hat und in diesem Jahr deutlich schwächer als Holland eingestuft wurde. Sowohl der holländische Coach Bouma als auch der britische EM-Organisationschef und INAS-FID Funktionär Jeff Davies waren am Samstag für Rückfragen nicht erreichbar. Für Spannung ist im Behindertenfußball einmal mehr gesorgt.
tw

Bundestrainer Dietmar Schacht im Interview
„Kein Vergleich zu 2006“
(Duisburg, 15.07.2008). Vor Beginn der INAS-FID Fußball-EM vom 20. Juli bis 2. August 2008 im englischen Manchester sprach FUBA-NET im Auftrag für RevierSport mit dem Bundestrainer Dietmar Schacht über die aktuelle Situation und die Ziele der neu formierten DBS-Nationalelf.
Dietmar Schacht, wo ist die Euphorie und das öffentliche Interesse von 2006 geblieben?
Den Unterschied macht natürlich in diesem Jahr in erster Linie der Standort aus. Man konnte 2006 enorm von dem Sog und den Nachwirkungen einer begeisternden FIFA-WM in Deutschland profitieren. Das ist natürlich nicht wiederholbar zumal es ‚nur’ um eine EM in diesem Jahr geht. Vielleicht ist die öffentliche Wahrnehmung in England zurzeit eine andere, aber hier in Deutschland gibt es eigentlich keine einzige Meldung auch nicht von Verbandsseite.
Woran liegt das?
Die bevorstehenden Paralympics im September in Peking genießen eine höhere Priorität. Viel wesentlicher ist jedoch, dass der Deutsche Behindertensportverband nach den Problemen und der nachträglichen Disqualifikation 2006 in diesem Jahr bei den Registrierungen der Spieler kein Risiko eingehen wollte. Erst wenn diese abgeschlossen sind und der Kader komplett ist, wird die Pressearbeit erfolgen. Ich halte das allerdings für zu spät.
Ist der Kader denn nun vollständig und liegen alle Akkreditierungen vor?
Wir haben noch drei Nachnominierungen, deren Unterlagen noch nicht geprüft wurden. Ansonsten steht mein 17-köpfiger Kader. Die drei fehlenden Spieler stehen dann hoffentlich ab Samstag auf Abruf bereit, werden aber natürlich nur eingesetzt, wenn die Unterlagen ordnungsgemäß vom Weltverband bewilligt wurden.
Hat sich die Mannschaft im Vergleich zu 2006 verändert?
Das Team hat ein ganz anderes Gesicht. Die Leistungsträger Demir, Müller, Blum und vor allem Skorna sind nicht mehr dabei. Es sind hungrige neue Spieler hinzugekommen. Bitter ist der Ausfall von Timo Mummert, der im Testspiel gegen Holland vor einem knappen Monat einen Schienbeinbruch erlitt.
Wie lässt sich das Leistungsniveau der Mannschaft einordnen?
Wir hatten vor zwei Wochen noch ein Turnier in Dorsten. Dort spielten wir gegen einen A- und B-Kreisligisten sowie einen Bezirksligisten. Die Mannschaft hat sich sehr gut präsentiert und am Ende einen guten zweiten Platz belegt, weil die Bezirksliga-Kicker knapp gewannen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Die Jungs sind sehr diszipliniert und zeigen dennoch ein hohes Engagement auf dem Platz. Die Kondition konnte enorm verbessert werden, weil sich die meisten Spieler an meine Trainingspläne gehalten und daheim gut gearbeitet haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht alle Spieler in einem Verein regelmäßig trainieren.
Das war 2006 noch anders – hat das Auswirkungen auf die Zielsetzung in Anbetracht der starken Gegner?
Die Mannschaft ist mit 2006 überhaupt nicht vergleichbar. Wir gehören nicht im Ansatz zum Favoritenkreis. Aber vielleicht können wir für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Wie soll das gelingen? Polen und Holland in der Vorrunde sind doch kaum zu schlagen und Schweden die große Unbekannte. Wo landet Deutschland am Ende?
Es wäre natürlich toll, wenn wir unter die ersten Acht kommen (lacht), aber ganz im Ernst: Holland ist der große Favorit, gefolgt von England und meinem Geheimtipp Polen. Es ist gut, dass wir in unserer Gruppe zuerst gegen die Holländer spielen, die wir natürlich sehr gut kennen, aber kaum zu packen sind. Schweden und Polen kann ich nach dem Spiel in Ruhe beobachten. Mit einem Sieg und einem Unentschieden könnten wir ja schon das Halbfinale erreichen. Das wäre dann eine Riesen-Sensation.
Wann reisen Sie mit der Mannschaft nach England?
Unser Mannschaftsbus startet am morgigen Freitag. Wir haben dann den Samstag und Sonntag, um uns zu akklimatisieren, werden aber auch noch drei Trainingseinheiten an den beiden Tagen abhalten, bevor unser erstes Spiel am Montag angepfiffen wird.
Guido Skorna war als Verbandsligaspieler Willi Breuers unumstrittener Kapitän. Wer wird sein Nachfolger, Oldie Andreas Timm aus Essen?
Dino Winterich wird die Mannschaft führen. Andreas ist zwar unser Aushängeschild, aber er setzt sich selber auf dem Platz zu sehr unter Druck. Er weiß das selber nur zu gut und hat es mir leicht gemacht, indem er mich bat, die Binde nicht tragen zu müssen.
tw

INAS-FID Fußball-EM startet am Sonntag
In völliger Vergessenheit
(Essen, 15.07.2008) Der Fußball-Sport der Menschen mit geistiger Behinderung oder politisch korrekt formuliert „der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen“ stand 2006 in Deutschland mit der WM im eigenen Land hoch im Kurs. Vom Sommermärchen der Ballacks und Lahms berauscht zog die INAS-FID WM damals so viele Zuschauer in deutsche Stadien wie keine Sportveranstaltung für Menschen mit Behinderung je zuvor.
Gepuscht durch eine enorme Medienaufmerksamkeit, der WDR übertrug - man erinnere sich - alle Spieler der deutschen Kicker sowie das Finale live im Fernsehen, wurden vordergründig und die gesellschaftliche Teilhabe fördernd die beachtlichen Leistungen von Menschen mit einer Behinderung in den deutschen Wohnzimmern präsentiert. Andererseits führte die ungewohnte mediale Omnipräsenz auch die Belastbarkeit einer sensiblen Fußballer-Klientel an die Grenzen
des Zumutbaren.
Nachdem das Blitzlichtgewitter erloschen war, fielen Skorna, Timm und Co auf den Boden der Tatsachen zurück. Eine Nachsorge oder gezielte auf die besondere Begabung ausgerichtete Betreuung im sozialen Umfeld konnte kein Verband aus dem Veranstalter-Tandem der WM leisten. Weder der Deutsche Behindertensportverband noch die Bundesvereinigung Lebenshilfe. Ein geregelter Spielbetrieb in Form einer Bundesliga blieb ein Wunschgedanke. Zu allem Überfluss wurde der dritte WM-Platz aufgrund zunächst fehlender dann falscher Registrierungsunterlagen durch den Weltverband INAS aberkannt. Nur noch gelegentlich zerrten die Medien boulevardesk die Spieler mitleidserweckend ins Rampenlicht, indem ihre Arbeits-, Perspektiv- oder „Fußballlosigkeit“ zur Show gestellt wurde. Seitdem herrschte weitestgehend Funkstille.
Der ehemalige Nationaltrainer Willi Breuer hatte es im direkten Anschluss an das gewonnene kleine Finale in Essen im September 2006 gewusst und gemahnt: „Wenn die Strukturen nicht professionalisiert werden, wird der Behindertenfußball nicht nur wieder zur Randnotiz, sondern gänzlich in Vergessenheit geraten.“ Recht hatte er und wie: Am Sonntag beginnt die INAS-FID Fußball-EM der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen im englischen Manchester und kaum einer bekommt es mit. In zwei Vierergruppen treten die stärksten europäischen Teams gegeneinander an. Eine deutsche DBS-Nationalelf ist unter der Leitung von Dietmar Schacht auch wieder am Start. Eine Mannschaft gibt es also noch. Und mit dem ehemaligen MSV-Profi und Ex-Trainer des Frauen-Bundesligisten SC Bad Neuenahr auch einen neuen Trainer, der trotz seines großen Engagements sicherlich ein schweres Erbe antritt. In einer Sportart, wo zumindest alle zwei Jahre das Murmeltier grüßt.
tw
|